Grußwort zum 1. Münchner care+work Dialog

von Staatsministerin Kerstin Schreyer, MdL

Liebe Besucherinnen und Besucher,

 

ich freue mich, dass Sie sich im Rahmen des 1. Münchner care+work Dialogs dem Zukunftsthema Vereinbarkeit von Pflege und Beruf widmen.

Ein altes chinesisches Sprichwort lautet: „Eine Familie, zu der ein Greis gehört, besitzt einen Schatz.“ Und die humanitäre und christliche Ethik hat die Übernahme der Verantwortung für die Älteren durch die Familie postuliert. Seit Jahrhunderten hat dieser gegenseitige Vertrag zwischen den Generationen funktioniert, haben sich die Generationen im Alltagsleben unterstützt. Die Pflege der Älteren durch klare Rollenverteilung und durch räumliche Nähe war mit den übrigen Aufgaben zu vereinen.

Die Lebenswirklichkeit moderner Familien mit und ohne Kinder ist heute eine andere. Männer wie Frauen sind erwerbstätig und leben häufig weit entfernt von ihren Eltern. Es ist eine große Herausforderung, die Pflege eines Angehörigen in unser hektisches Leben zu integrieren. Nicht zufällig sprechen wir von der Rushhour des Lebens, wenn es um Menschen im Alter von 35 bis 55 Jahren geht, die diese Aufgabe übernehmen.

Der Sozialstaat hat Institutionen geschaffen, die die Pflegeaufgabe aus den Familien hinaus verlagern. Viele Menschen wollen ihre Angehörigen aber zu Hause pflegen. Und der Staat kann und soll nur im Notfall einspringen.

Inzwischen kümmert sich fast jeder zehnte Beschäftigte zwischen 55 und 64 Jahren neben dem Beruf um pflegebedürftige Angehörige, die Hilfsbedürftigen sind damit noch nicht erfasst. Damit geht oft eine erhebliche Belastung einher, die sich auch auf die Leistungsfähigkeit im Arbeitsleben auswirkt.

Die meisten Unternehmen befassen sich bereits mit dem Thema Pflege. Primär müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es Familien ermöglichen, die Pflegeaufgabe in ihr Familien- und Berufsleben zu integrieren. Wer qualifizierte Fachkräfte gewinnen und behalten will, schafft das am besten, wenn er ihnen neben der Kinderbetreuung auch bei der Pflege von Angehörigen etwas bieten kann.

Der Weg zu einer generationenübergreifenden familienfreundlichen Lebens- und Arbeitswelt ist eine Daueraufgabe. Wir brauchen dazu den engagierten, gemeinsamen Einsatz von Politik, Wirtschaft und Verbänden.

Deshalb haben der Freistaat Bayern und die bayerischen Wirtschaftsverbände 2014 den Familienpakt Bayern geschlossen. Der Familienpakt unterstützt Unternehmen bei der Entwicklung von passgenauen Lösungen für pflegende Beschäftigte. Unternehmen, die bei der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf vorangehen, haben eine wichtige Vorbildfunktion.

Und: Sie sind im Vorteil, wenn es darum geht, Fachkräfte zu akquirieren und dauerhaft zu binden.

Ihre
Kerstin Schreyer, MdL
Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales